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Kriege und Notzeiten

Die ältesten Aufzeichnungen über kriegerische Auseinandersetzungen, von denen unser Gebiet betroffen war, berichten über den Einfall der Hussiten im Jahr 1430 in das Vogtland.
Die Hussiten, Anhänger von Jan Hus, des tschechischen Theologen und Reformers, kämpften für tiefgreifende Veränderungen von Kirche und Gesellschaft. Sie forderten sogar die vollständige Abschaffung der bestehenden Feudalordnung. Der Papst verhängte über Hus den Kirchenbann. 1415 wurde er als Ketzer verbrannt. Die Verweigerung ihrer Forderungen und der Anspruch Kaiser Sigismunds auf die böhmische Krone führte zu dem Hussitenkrieg zwischen 1419 und 1436. 1430 fiel das Heer der Hussiten in Plauen ein. Stadt und Schloss wurden zerstört. Danach zogen sie nach Hof weiter und hausten auch dort gewaltig.
Nach Hof wurde zwar die bestehende Straße benutzt. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass die Orte rechts und links von dieser geplündert wurden. Sicher hatte auch Ottengrün darunter zu leiden, wenn auch keine urkundliche Bestätigung dafür vorliegt.
100 Jahre später, der Frondienst war erdrückend für die Bauern, kam auch Müntzers Anschauung und die Kunde von der Bildung eines Bauernhaufens im Fränkischen ins Vogtland.
Die lehnpflichtigen Bauern in den umliegenden Dörfern versammelten sich unter der Leitung Nickel Fischers aus Bösenbrunn und zogen mit nach Plauen. Dorthin hatten sich die adligen Herren zurückgezogen.
Nach der Zerschlagung des Bauernhaufens in Franken und der Hinrichtung Thomas Müntzers in Frankenhausen am 15. Mai 1525 zogen auch die Bauern des Vogtlandes nach 5 tägigen Verhandlungen am 19. Mai wieder in ihre Heimatdörfer.
Die ihnen gegebenen Versprechungen wurden nicht gehalten und Kurfürst Johann hielt am 1. Juli in Plauen Gericht. Nickel Fischer richtete man auf dem Marktplatz in Plauen hin. Alle Aufständigen wurden zu 1 bis 4 Gulden (eine Kuh kostete ungefähr 3 Gulden) Strafe verurteilt.
Ottengrün hatte 27 Gulden zu zahlen. Da es zu dieser Zeit etwa 11 Bauern im Dorf gab, ist ersichtlich, dass alle am Aufstand beteiligt waren.
Auch im 30jährigen Krieg (1618 — 1648) wurde das Vogtland nicht von Kriegswirren verschont. Besonders 1632/33 wüsteten die Truppen des General Holk in unserer Gegend. Am 11. August zog er mit einem Heer von 16.000 Söldnern von Hof kommend auf Oelsnitz zu.
Nach ihrem Durchzug brannten Häuser und Scheunen in den Dörfern. Die Soldaten versorgten sich gewaltsam mit Nahrung, Kleidung, Heu und Stroh von der Dorfbevölkerung der auf ihrem Weg liegenden Orte.
1633 kam Holk wiederum, nachdem in seinem Heer die Pest ausgebrochen war, in unsere Gegend.
Am 9. September starb er in Troschenreuth auf dem Rittergut an dieser Krankheit.
Bereits ab 1778 berichtet die Sachsgrüner Chronik erneut über Kriegshandlungen:
,,...den 22.September 1778 fiel das Gaisauische Freicorps, welches fast aus lauter undisziplinierten Leuten bestand, in Adorf und die dasigen Ortschaften ein, und verübte viel Grausigkeiten...
1793 —1796 mußten die Sachsen mit an den Rhein marschieren, und gegen Frankreich streiten, so dass man öfters Durchzüge hatte... später im Herbst 1799 bis Frühjahr 1801 hatte man hier an der Grenze sächsische Dragoner..."
1806 kamen am 26. September zunächst preußische Grenadiere in die Ortschaften, aber bereits am 9. September marschierten Franzosen von Gassenreuth nach Wiedersberg (80.000 Mann sollen es gewesen sein). Sie suchten wiederum die umliegenden Orte heim. Die Bauern versteckten sich und ihr Vieh in den Wäldern.
Im Ottengrüner Rittergut verriet das Wiehern eines Pferdes im Turm die Anwesenheit des Besitzers. Der Rittergutsbesitzer Wunderlich wurde durch Bajonettstiche der Soldaten schwer am Arm verletzt, überlebte jedoch diesen Überfall.
Wieviele Männer aus Ottengrün am Krieg 1870/71 teilnehmen mussten, ist nicht bekannt.
Zahlreiche Opfer forderten die beiden letzten Weltkriege.

 
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